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Der kinesiologische Muskeltest - ein Instrument in der kinesiologischen Arbeit

«Das ist verwirrend», «das fühlt sich seltsam an» oder «wow, das ist sehr eindrücklich» sind Rückmeldungen von meinen Klienten, wenn sie den Muskeltest zum ersten Mal erleben. Die folgenden Informationen haben das Ziel, die Verwirrung aufzulösen und den Test als natürliches Informationssystem des Körpers zu verstehen.

 

Ist Kinesiologie gleich Muskeltest?

Muskeltest und Kinesiologie werden oft als das Gleiche verstanden. Dabei ist der Muskeltest nicht Kinesiologie, sondern ein zentrales Arbeitsinstrument der kinesiologischen Arbeit. Ich vergleiche den Muskeltest mit einem Kompass, dieser ist nicht das ganze Navigationssystem eines Schiffes, sondern unterstützt dabei, einen Kurs zu wählen und zu halten. Die Kinesiologie ist eine relativ junge Methode, ihre Anwender arbeiten nach vielfältigen Konzepten verschiedener Richtungen und Schulen. Der Muskeltest ist das verbindende Element aller Kinesiologierichtungen.

 

Was ist der Muskeltest?

Der Muskeltest dient als körpereigenes Feedback-System: Durch die Auswirkungen verschiedener Reize («Testantworten») können die unterschiedlichsten Stressoren ermittelt werden. Als Stressoren bezeichnen wir Kinesiologen alles, was einem Organismus schadet. Besonders wertvoll ist daran, dass auch unbewusste, unterschwellige Stressoren offengelegt werden.

 

Wie funktioniert der Muskeltest?

Normalerweise steuern wir unsere Körpermuskeln über das willkürliche Nervensystem: Wir haben die Kontrolle über unsere Muskeln und die Bewegungen erfolgen über unseren Willen.

Neben dem willkürlichen Nervensystem hat auch das autonome, das unbewusste Nervensystem Zugang zu unseren Körpermuskeln. Weil dieses System bei Gefahrensituationen reagieren muss, ist es viel schneller als das willkürliche Nervensystem. Klar, wenn wir die Hand am Streichholz verbrennen, lassen wir dieses erst einmal fallen und dann kümmern wir uns wieder um das Anzünden der Kerze. Schlägt unser Warnsystem Alarm, wird das willkürliche Nervensystem für einen kurzen Moment entkoppelt, dies, damit es die lebenswichtige Reaktion nicht behindert. Schnell darauf setzt auch die bewusste Kontrolle wieder ein, die Muskeln werden kontrolliert bewegt und das bewusste Denken hilft bei der Problemlösung mit.

 

Was bedeutet es, wenn ich einen Test «nicht halten» kann?

Diese Entkoppelung von Nerven- und Körpermuskulatur passiert nicht nur bei akuten Gefahren, sondern auch bei unterschwellig stressenden Reizen: Allergene, ungesunde Nahrungsmittel, Substanzen, Akupunkturpunkte mit ihren zugehörenden Meridianen und vieles mehr.

Kann der getestete Muskel die Bewegung kurzfristig nicht ausführen, lässt das auf eine «Gefahr» im Körper schliessen. Diese Gefahr bezeichnen wir als Stressor. Das Auffinden und daraufhin Balancieren von Stressoren (Stressabbau) ist die Essenz der kinesiologischen Arbeit.

 

Woher erhalten die Muskeln eigentlich ihre Befehle?

Damit die Muskeln, Bänder und Sehnen wissen, was sie zu tun haben, haben wir ein ausgeklügeltes Meldesystem über Gelenkspositionen, Muskellängen und – spannungen: die Propriozeption (Eigenwahrnehmung). Diese Propriozeption schickt sämtliche Informationen ans zentrale Nervensystem. Mittels Muskelmonitoring kann das Informationssystem eines Muskels getestet werden. Getestet wird nicht die absolute Kraft eines Muskels, sondern wie gut seine Kommunikation mit dem willkürlichen Nervensystem ist. Wenn dieses System gut funktioniert, können auch kleinste Bewegungen präzise und sofort ausgeführt werden. Funktioniert die Kommunikation schlecht, kann der Muskel auf einen Testdruck nicht reagieren, ganz so, als versuche ich Licht zu machen und einen Lichtschalter drücke, der nicht am Stromnetz angeschlossen ist.

 

Kann mit dem Muskeltest alles ausgetestet werden?

Wenn der Muskeltest ein bio-Feedbacksystem ist, das auch Zugriff auf Unbewusstes hat, kann dann jede Frage oder Unsicherheit im Leben ausgetestet werden? So verlockend das klingen mag, die einzig verlässliche Testantwort ist, ob Stress vorhanden ist oder nicht. Der Test gibt keine Antwort darüber, ob es sich lohnt, diesen Stress zu bearbeiten und abzubauen oder den Stressor zu eliminieren. Auf die Fragen «Soll ich meine Arbeitsstelle kündigen?» erhalten wir nicht ein «Ja oder Nein» als absolute Wahrheit oder gar Empfehlung. Wir erfahren einfach, ob die Frage einen Stress auslöst oder nicht. Ab hier beginnt die Interpretation und freie Wahl, wie die nächsten Schritte aussehen könnten. 

  

Gerade weil die Antwort gefühlt «von innen» kommt, ist der Muskeltest ein starkes, eindrückliches Instrument. Ein nicht-gehaltener Test kann den Getesteten unter Umständen verwirren oder staunen lassen. Weil er ein starkes Instrument ist, verlangt er Tester, die ihn mit Respekt und Neutralität ausführen und ihn für Tests anwenden, die Sinn machen und den therapeutischen Prozess positiv mitgestalten. Verantwortliche Anwender senden den Test als ein Instrument im Navigationssystem durch einen Veränderungsprozess, nicht jedoch als die fertige Landkarte oder das echte Gebiet.